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Bericht aus Wochenspiegel
Musikverein „Harmonie“
Lottstetten - Deutscher Musikverein im Zürcher Unterland
Der Musikverein „Harmonie“ aus der
deutschen Grenzgemeinde Lottstetten feiert am 3. und 4. Oktober ein grosses
Schlachtfest in der Grenzlandgemeinde. Der Festplatz befindet sich beim Bauhof
hinter dem Lotto-Bistro von Axel Holzscheiter. Am 3. Oktober ist in Deutschland
auf Grund der Wiedervereinigung vor genau 20 Jahren Nationalfeiertag.
Der deutsche Musikverein ist mit der
Schweiz eng verwurzelt und nimmt eine Sonderstellung in der Region ein. Er ist
als einziger Deutscher Musikverein Mitglied im Zürcher Unterländer
Kantonalverband, wie auch im Zürcher Blasmusikverband. Zudem ist der gebürtige
Büsinger Martin Weiss musikalischer Leiter des Vereins. Die Lottstetter „Metzgete“
nehmen wir zum Anlass, diesen besonderen Verein näher kennen zu
lernen.
Geschichte:
Im Jahr 1877 wurde der Verein unter
Leitung von Hermann Gäng als die „Dietenberger Musik“ gegründet. Der Dietenberg
ist der kleinste Ortsteil von Lottstetten.
Im Jahr 1915 ruhte das Vereinsleben auf Grund des Ersten Weltkrieges für vier
Jahre. 1925 schloss sich der Verein dem neu gegründeten Musikverband „Zürcher
Unterland“ an. Ab 1931 führte Karl Held für 28 Jahre den Taktstock, ehe diesen
Ernst Baschnagel für weitere 20 Jahre übernahm. Ernst Baschnagel ist heute
Ehrendirigent des Musikvereins.
Im Jahr 1933 fand das Zürcher Unterland Verbandsfest in Lottstetten statt.
Dieses Fest wurde auch in den Jahren 1955, 1966, 1981und 1997 in Lottstetten
durchgeführt. Von 1940 bis 1946 ruhte der Verein während des Zweiten
Weltkrieges. Zwölf Musiker kehrten von diesem wahnsinnigen Krieg nicht mehr
heim. Ein weiterer Verlust für den Verein war das Requirieren der
Vereinsinstrumente durch die französische Besatzungsmacht. Nach dem Krieg war
der Neuaufbau nur mit Hilfe der Gemeinde Lottstetten und der grosszügigen Hilfe
von Schweizer Vereinen
möglich.
Ära Rehm:
Im Jahr 1971 begann die Ära von Walter Rehm, der den Verein 22 Jahre leitete
und seit 1992 Ehrenvorsitzender ist. Unter seiner Regie wurde 1977 das 100-
jährige Bestehen gefeiert. Im Jahr 1983 fand die Fahnenweihe statt. Als
Patenverein fungierte die Musikgesellschaft Rafz aus dem Zürcher Unterland.
Ein Jahr später wurde die Lottstetter „Harmonie“ in den Zürcher
Kantonalmusikverband aufgenommen. 1988 fand die Uniformenweihe im Rahmen des
Grenzlandmusikfestes statt. Mit Schweizer Beteiligung, versteht sich fast schon
selbst. Ein weiteres Highlight im selben Jahr war die 17- tägige Konzertreise in
die USA.

Im Jahr 1990 wurde Barbara Rehm, Schwester des Vorsitzenden Walter Rehm, zur
Präsidentin des Musikverbandes Zürcher Unterland gewählt. Dieses Amt übte sie 16
Jahre aus, 22 Jahre war sie gesamt in der Vorstandschaft tätig. Bereits von 1984
bis 1987 war sie Vertreterin in der Medienkommission des Zürcher
Blasmusikverbandes, von 1987 bis 1990 Aktuarin und ab der Delegiertenversammlung
1990 bis einschliesslich 2006 war sie Präsidentin des Musikverbandes Zürcher
Unterland. Damals war das eine Sensation. Barbara Rehm wurde als erste Frau in
dieses Amt gewählt und kam zudem vom einzigen
deutschen Verein. Heute agiert sie
als Vizepräsidentin, zudem wurde sie 2006 zur Ehrenpräsidentin im Musikverband
Zürcher Unterland ernannt. Im Jahr 1999 übernahm sie auch den Lottstetter
Musikverein und führte diesen sechs Jahre lang. Im Jahr 2003 wurde sie zum
Ehrenmitglied ernannt. Ein absolutes Highlight waren die Musiktage 2001 in
Lottstetten. Das deutsche Bezirksmusikfest wurde zusammen mit dem
Regionalmusiktag zusammen ausgerichtet. Deutsche und Schweizer Vereinssektionen
lieferten sich an diesem Wochenende einen musikalischen Wettstreit auf der
Marschmusikstrecke und auf der Bewertungsbühne. Ein Novum in der Verbands- wie
auch Vereinsgeschichte. Der Musikverein Lottstetten ist der einzige deutsche,
unter 27 Blasmusikvereinen des Zürcher Unterlandes. Im Zürcher Kantonalverband
sind sie die „Exoten“ unter 161 Vereinen. Walter und auch Barbara Rehm sind
mittlerweile nicht mehr im Lottstetter Musikverein aktiv und spielen ennet der
Grenze. Walter Rehm bei der Musikgesellschaft Rafz, Barbara Rehm beim
Musikverein Dielsdorf.
Die letzten Jahre:
1992 wurde das Probenlokal „Haus der Musik“ nach neunmonatiger Bauzeit
eingeweiht. Dies auch Dank dem besonderen Einsatz von Walter Rehm und Karl
Buchter. Buchter wurde für seine besonderen Verdienste bei diesem Bau zum
Ehrenmitglied ernannt, obwohl er nie Aktivmitglied war. Dies passiert auch nicht
alle Tage bei einem Musikverein. Leider verstarb „Charly“ Buchter bereits einige
Jahre später. 1993 wagte der Verein ein neues Projekt. Zusammen mit dem
Männerchor „Eintracht 1847“ wurde das Nacker Weinfest auf die Beine gestellt. Es
entwickelte sich neben den Weinfesten in Hohentengen und Erzingen zum dritten
grossen Weinfest im Kreis Waldshut. Da der Männerchor personell nicht mehr in
der Lage war, eine solche Grossveranstaltung durchzuführen und für den
Musikverein diese Aufgabe allein nicht zu bewältigen ist, gehört das Nacker
Weinfest der Vergangenheit an. Bei der Lottstetter Bevölkerung keimt die
Hoffnung, dass dieses Weinfest eines Tages wieder zum Leben erweckt wird.1997
wurde der Kantonale Kreismusiktag Zürcher Unterland anlässlich des 120-jährigen
Bestehens gefeiert. Im Juli dieses Jahres waren die Lottstetter Musiker beim
Zürcher Unterländer Musiktag in Rafz aktiv. Sie kamen mit der Empfehlung der
Konzertreise nach Dunabogdany in Ungarn, auf der sie wenige Wochen zuvor waren.
Bei einem Wertungsspiel vor einer internationalen Jury hat der Verein dort in
der Oberstufe mit Höchstnote abgeschlossen. Was der Verein im Jahr 2012 vorhat,
wenn er sein 125-jähriges feiert, steht noch in den
Sternen.
Aktuell:
Zurzeit besteht der Lottstetter Musikverein aus 53 Aktivmitglieder, welche die
Instrumente Klarinette, Querflöte, Trompete, Flügelhorn, Saxophon, Waldhorn,
Bariton, Tenorhorn, Posaune, Bass und Schlagzeug spielen. Der Fähnrich heisst
Werner Huber und Martin Weiss aus dem Schweizer Nachbardorf Rheinau dirigiert
den Verein. Josef Hartmannsgruber ist mit seinen fast 81 Jahren das älteste
Aktivmitglied im Verein. Erster Vorsitzender ist Christian Frey. Er entsprang
den Wurzeln aus der Gründerzeit des Lottstetter Musikvereins, der „Dietenberger
Musik“. Christian Frey war der Enkel, des vor wenigen Wochen verstorbenen
Ehrenmitgliedes Alfons Hilbert vom Dietenberg. Die Lottstetter „Harmonie“ ist
ein dynamischer Verein, der es immer wieder versucht, neben der Tradition neue
Wege zu gehen. Mit dem Kinder-und Jugendchor wurde das Musical „Freude“
aufgeführt. 23 Musiklehrlinge werden momentan von sechs Ausbildern in die Welt
der Musik geführt. Zudem findet eine Zusammenarbeit mit der Musikschule
Südschwarzwald und externen Ausbildern statt. In den vergangenen vier Jahren
wurden nahezu 20 Jugendliche in die Reihen der Aktiven aufgenommen - Der Lohn
für eine erfolgreiche Jugendarbeit. Am 29.11., dem 1. Advent, findet in der
Lottstetter Gemeindehalle das Winterkonzert statt. Martin Weiss hat ein
breitgefächertes, unterhaltsames musikalisches Programm zusammengestellt und ihm
den Namen „America – Yes we can“
gegeben.
Schlachtfest:
Das Schlachtfest beginnt an beiden Tagen um 11 Uhr. Es gibt frische
Schlachtplatte mit Blut- und Leberwurst, Kasseler und Bratwürsten, vom
Lottstetter Metzger Bruno Straub liebevoll hergerichtet. Als Beilage Sauerkraut
und „Herdöpfel“. Die Kuchen und Schnapstheke werden auch in diesem Jahr nicht
fehlen. Das Rahmenprogramm eröffnet am Samstag, 3. Oktober, ab 11.30 Uhr
der Musikverein Altenburg mit dem Frühschoppenkonzert. Mittags spielt die
Musikgesellschaft „Helvetia“ Marthalen, ehe der Lottstetter Arno Fries die Gäste
als Alleinunterhalter unterhält. Abends sorgen die „Originalen Aussteiger“ aus
Gottmadingen für die passende Stimmung ehe es Oldies, Schlager, Rock und Pop vom
Plattenteller gibt. Am Sonntag, 4. Oktober gibt es ab 11.30 Uhr ein
Frühschoppenkonzert mit dem Musikverein Randegg, mittags spielt der Musikverein
Stetten-Bergöschingen bis zum Festausklang auf.


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